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Pflanzenkunde

Mistel

22. Aug. 2017
4 Minuten

Mistel - Botanik und Wirkung

Etymologie und Geschichtliches

Die Bezeichnung Mistel leitet sich von dem Wort Mist ab, welches auch schon im Althochdeutschen existierte.

Misteln verbreiten sich dadurch, dass Vögel die Mistelsamen essen und durch ihre Exkremente – also ihren Mist – verteilen. FĂ€llt der Samen auf einen Baum, kann die Mistel dort wachsen. 

Dieser Verbreitungsprozess war schon frĂŒh bekannt und verlieh der Mistel ihren deutschen Namen.

Wissenschaftlicher Name: Viscum

HĂ€ngt bei Ihnen in der Weihnachtszeit auch ein Mistelzweig unter der Decke? Dem Brauch nach sind Mann und Frau, die sich unter dem Zweig treffen, zu einem Kuss „verpflichtet“.

Dieser Kuss soll PĂ€rchen GlĂŒck bringen und ihnen garantieren, ein Leben lang zusammenzubleiben. Manchmal wird diese Tradition auch dazu gebraucht, Frauen einen Kuss abzuringen, die unter anderen UmstĂ€nden nicht dazu bereit wĂ€ren. Verweigert die Frau den Kuss, so ist laut Volksglauben sichergestellt, dass sie im kommenden Jahr nicht heiraten wird.

Über diesen Brauch hinaus, der wahrscheinlich auf die germanische Mythologie zurĂŒckgeht, ist die Mistel auch in der Naturheilkunde schon lange von großer Bedeutung. Keltische Druiden verehrten die Mistel als geradezu heilige Pflanze. Auch Hildegard von Bingen und Pfarrer Sebastian Kneipp hielten große StĂŒcke auf die Wirkungen von Mistelkraut.

Botanik der Mistel

Die Mistel gilt als halbparasitischer Strauch. Der Strauch wird 20 bis 50 Zentimeter hoch und wÀchst annÀhernd kugelförmig.

Die Mistel wĂ€chst an einem Wirtsbaum und schlĂ€gt ihre Wurzeln in dessen Holz. So kann sie Wasser direkt aus den Leitungsbahnen des Wirtsbaums abzweigen. Ăœber ihre BlĂ€tter betreibt sie selbst Photosynthese. In den meisten FĂ€llen ist der Wirtsbaum durch die Mistel nicht gefĂ€hrdet.

Die Mistel bildet verzweigte Äste mit grĂŒnen BlĂ€ttern und winzigen weißen BlĂŒten. Ihre FrĂŒchte sind weiße, gelbe oder rote Beeren, die einzelne Samen enthalten. Die Samen sind mit einer klebrigen Schicht umhĂŒllt und bleiben dadurch an den WirtsbĂ€umen haften.

Vorkommen / Verbreitung

Die Mistel ist weltweit verbreitet, in tropischen und subtropischen ebenso wie in gemĂ€ĂŸigten Zonen.

Inhaltsstoffe und deren potentielle Wirkung

Aufgrund der enthaltenen Flavonoide wird Misteltee in der Naturheilkunde zur Regulation des Blutdrucks eingesetzt. Zudem soll die Mistel das Immunsystem unterstĂŒtzen.

Auch Ă€ußere Anwendungen mit Misteltee sind bekannt – insbesondere bei Krampfadern und Ekzemen.

Auch begleitend in der Krebstherapie kommt die Mistel zum Einsatz. Ihre Wirkung ist hier jedoch nicht hinreichend belegt. Von einer ausschließlichen Krebsbehandlung mit Mistel ist ausdrĂŒcklich abzuraten.

Genutzte Pflanzenteile

Naturheilkundlich von Bedeutung sind die BlÀtter und Zweige der Misteln. Die besten Monate zur Ernte von Misteln sind MÀrz und April.

Die volksheilkundliche Nutzung von Misteln erfolgt meistens als Misteltee. HierfĂŒr muss mit kaltem Wasser ein Tee aus den MistelblĂ€ttern hergestellt werden. Der fertige Tee kann nachtrĂ€glich erwĂ€rmt oder direkt kalt getrunken werden.

Hinweise

Die Beeren der Mistel gelten als schwach giftig und sollten nicht verzehrt werden. 

Bei der Zubereitung von Misteltee ist die Verwendung von kaltem Wasser notwendig, da auch die BlĂ€tter und Zweige der Mistel Giftstoffe enthalten, die sich aber nur bei heißem Wasser aus der Pflanze lösen wĂŒrden. 

Allgemeines

Vom Verzehr oder der Anwendung selbst gesammelter oder angebauter Pflanzen, die man nicht oder nicht ausreichend kennt, oder Zubereitungen daraus, ist grundsĂ€tzlich abzuraten. Selbst Pflanzen, die im Allgemeinen als genießbar und ungefĂ€hrlich gelten, können bei entsprechender Dosierung oder bei Schadstoffbelastung, durch die Zubereitung oder beispielsweise bei Allergien schĂ€dlich wirken. Oft besteht auch Verwechslungsgefahr mit ungenießbaren und gefĂ€hrlichen Pflanzen. Holen Sie stets professionellen Rat von einer Fachperson, einem Arzt oder Apotheker ein.

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Bild: © Dagmar Grtner/stock.adobe.com

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