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Knochengesundheit: geht durch Mark und Bein

Dr. Jochen Hoffmann

15. Mai 2020
8 Minuten
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Was leisten unsere Knochen?

Knochen geben unserem Körper seine Form und sorgen fĂŒr Halt. Die meisten unserer Körperteile sind weich und mĂŒssen von unserem Skelett gestĂŒtzt werden. So verbleibt alles im Körper an seinem Platz und der Mensch erhĂ€lt seinen charakteristischen Körperbau.

Zudem bieten die Knochen vielen lebenswichtigen Organen Schutz. Herz und Lunge sind durch den Brustkorb vor vielen Verletzungen geschĂŒtzt und auch das Gehirn ist im SchĂ€del sicher aufgehoben.

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Um ihre Aufgaben erfĂŒllen zu können, mĂŒssen Knochen vergleichsweise hart sein. Dennoch sind sie bis zu einem gewissen Punkt biegsam, damit sie verschiedenen Belastungen standhalten können. Ist die Belastung zu groß, brechen sie.

Beine, nicht nur am Bein

Einige Knochen werden auch heute noch als „Bein“ bezeichnet, beispielsweise Jochbein, SchlĂŒsselbein, Steißbein und Schienbein. Das hat nichts mit ihrer Position im Körper zu tun, sondern geht noch auf das althochdeutsche Wort Bein zurĂŒck, das sowohl Knochen als auch die Körperregion um Ober- und Unterschenkel bezeichnete. Die Bezeichnung von Knochen als Beine oder Gebeine findet sich auch noch in der Redewendung „durch Mark und Bein“ fĂŒr emotional durchdringende Ereignisse.

Wie viele Knochen hat der Mensch?

Die Antwort auf die Frage, wie viele Knochen der Mensch ĂŒberhaupt hat, kann nie ganz eindeutig ausfallen. Die Anzahl der Knochen im menschlichen Skelett ist abhĂ€ngig vom Alter und von der ZĂ€hlweise und kann auch darĂŒber hinaus individuell leicht verschieden sein.

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Einige Knochen von SĂ€uglingen wachsen mit der Zeit zu grĂ¶ĂŸeren Knochen zusammen. Beispielsweise besteht der SchĂ€del zunĂ€chst aus mehreren gegeneinander verschiebbaren Platten. Denn der Kopf von Babys ist wĂ€hrend der Geburt starken KrĂ€ften ausgesetzt. 

Solange die Platten nicht zusammengewachsen sind, kann der Kopf des Babys diesen KrĂ€ften besser standhalten. Erst in den ersten beiden Lebensjahren wachsen die Knochenplatten zur SchĂ€deldecke zusammen. Insgesamt hat ein SĂ€ugling bis zu 350 Knochen.

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Bei machen Strukturen herrscht Uneinigkeit, ob sie zu den Knochen gezĂ€hlt werden mĂŒssen. Beispielsweise werden in vielen Ă€lteren ZĂ€hlungen auch die ZĂ€hne berĂŒcksichtigt. Inzwischen ist dies allerdings eher unĂŒblich. 

Auch bei einigen Knorpeln ist nicht klar festgelegt, ob sie als Knochen gezĂ€hlt werden mĂŒssen oder nicht. So kommt es zu unterschiedliche ZĂ€hlweisen und damit zu unterschiedlichen Angaben bei der Knochenanzahl.

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Bei manchen Erwacchsenen kann es auch bei gleicher ZĂ€hlweise Unterschiede in der Knochenzahl geben. Es gibt Knochen, die bei manchen Erwachsenen zusammengewachsen sind, bei anderen dagegen nicht. 

HĂ€ufig wird angegeben, dass ein gesunder Erwachsener ungefĂ€hr 206 Knochen besitzt. Etwa die HĂ€lfte davon befindet sich in HĂ€nden und FĂŒĂŸen. 

Knochenaufbau

Jeder Knochen besteht aus zahlreichen elastischen Bindegewebsfasern, der so genannten Matrix. Die Knochenmatrix ist zwar reißfest, aber auch sehr biegsam und kann dem Knochen allein keine StabilitĂ€t verleihen.

FĂŒr die Festigkeit und HĂ€rte des Knochens sorgen mineralische Ablagerungen in der Knochenmatrix. Insbesondere die Mineralstoffe Calcium und Phosphor lagern sich in der Knochenmatrix ein und geben dem Knochen so StabilitĂ€t.

Man unterscheidet zwischen zwei Bauweisen des Knochens:

  • Die Kompakta ist eine solide Knochenschicht ohne ZwischenrĂ€ume.
  • Die Spongiosa besteht dagegen aus einem schwammĂ€hnlichen Knochengeflecht mit vielen ZwischenrĂ€umen.
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Im Vergleich zur Kompakta ist die Spongiosa leichter, besitzt aber trotzdem eine hohe StabilitĂ€t. Bei vielen Knochen umhĂŒllt die Kompakta die Spongiosa. So ist die AußenhĂŒlle des Knochens sehr stabil, der gesamte Knochen jedoch vergleichsweise leicht.

Knochenmark

Einige große Knochen des Menschen, darunter das SchlĂŒsselbein, das Becken, die Rippen und das Brustbein enthalten Knochenmark. Es befindet sich in HohlrĂ€umen in der Mitte des Knochens und in den ZwischenrĂ€umen der Spongiosa. Das Knochenmark trĂ€gt die Hauptverantwortung fĂŒr die Blutbildung des Menschen. Hier befinden sich HĂ€mozytoblasten genannte Stammzellen, aus denen sich die verschiedenen Blutzellen bilden. DafĂŒr teilen sich die Stammzellen in eine Blutzelle und eine neue Stammzelle. Die fertigen Blutzellen treten dann in den Blutkreislauf ĂŒber. Auf diese Weise entstehen im menschlichen Körper jeden Tag Milliarden neuer Blutzellen.

Der Prozess der Blutbildung ist notwendig da die Lebensdauer vieler Blutzellen stark begrenzt ist. Ein BlutplĂ€ttchen ĂŒberlebt beispielsweise im Blutkreislauf selten lĂ€nger als zehn Tage. Zudem können Verletzungen zu Blutverlust fĂŒhren, der anschließend wieder ausgeglichen werden muss.

Knochenumbau

Unsere Knochen sind zwar fest und stabil, doch sie befinden sich trotzdem immer im Umbau. Manche Zellen, die so genannten Osteoklasten, bauen durchgehend Knochensubstanz ab. So hinterlassen sie winzige Löcher im Knochen.

Ihre Gegenspieler, die Osteoblasten, fĂŒllen diese Löcher mit neuer Knochenmatrix. Hier lagern sich Mineralstoffe neu ab und die Löcher werden wieder geschlossen.

Wie sich die Knochen selbst erneuern

Das Zusammenspiel von Osteoklasten und Osteoblasten sorgt dafĂŒr, dass sich die Knochen nach und nach selbst erneuern. Allerdings kann dieser Prozess beispielsweise durch Krankheiten aus der Balance geraten. Oft ist ein beschleunigter Knochenabbau die Folge und die Knochen verlieren an StabilitĂ€t.

Doch auch die alltĂ€gliche AktivitĂ€t kann das Gleichgewicht von Osteoklasten und Osteoblasten beeinflussen. Werden die Knochen regelmĂ€ĂŸig belastet, regt dies die Osteoblasten an und der Knochen wird stabiler.

Hier kann man durch regelmĂ€ĂŸige Bewegung auch selbst einen Beitrag leisten. Wer sich jedoch zum Beispiel durch BettlĂ€gerigkeit kaum bewegen kann, muss auch mit vermehrtem Knochenabbau rechnen. Hier sind die Osteoklasten aktiver.  

Osteoporose

Wird zu wenig Knochensubstanz auf- oder zuviel Knochensubstanz abgebaut, kann es zu Osteoporose kommen: Eine hĂ€ufige Alterserkrankung, die fĂŒr BrĂŒche anfĂ€lliger macht. Kennzeichen sind

  • eine Abnahme der Knochendichte,
  • durch den ĂŒbermĂ€ĂŸig raschen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. 

Deformationen der Knochen fĂŒhren zu einem sichtbaren GrĂ¶ĂŸenverlust!

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Wie Osteoporose entsteht

Calciummangel ist eine mögliche Ursache von Osteoporose, denn die Knochen sind der wichtigste Calciumspeicher des Körpers. Wenn anderswo im Körper Calcium fehlt, wird es aus den Knochen gelöst und zum Ort des Bedarfs transportiert. Dadurch macht sich das Fehlen von Calcium zunĂ€chst in den Knochen bemerkbar. HĂ€lt ein solcher Mangelzustand fĂŒr lĂ€ngere Zeit an, kann dies zu Osteoporose fĂŒhren.  

Calcium fĂŒr die Knochengesundheit

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Damit sich Calcium in den Knochen einlagert und so fĂŒr ihre StabilitĂ€t sorgt, braucht der Körper auch eine ausreichende Calciumversorgung. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt Erwachsenen fĂŒr einen gesunden Calciumspiegel die Zufuhr von 1000 Milligramm Calcium am Tag. In Milch und vielen Milchprodukten ist Calcium in grĂ¶ĂŸeren Mengen enthalten. 

Zudem weisen manche MineralwĂ€sser einen hohen Calciumgehalt auf. Pflanzliche Lebensmittel, zum Beispiel HĂŒlsenfrĂŒchte oder GrĂŒnkohl, enthalten ebenfalls nennenswerte Mengen Calcium – allerdings weniger als Milch oder ein calciumhaltiges Mineralwasser.

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Die gĂ€ngige Empfehlung von Milch und Milchprodukten als wichtigste Calciumlieferanten stellt manchmal ein Problem dar. Aus verschiedenen GrĂŒnden stehen diese wichtigen Quellen nicht jedem zur VerfĂŒgung. Die bewusste Entscheidung fĂŒr eine vegane Lebensweise oder eine Lactoseintoleranz sowie MilchproteinunvertrĂ€glichkeit fĂŒhren zu einem freiwilligen oder erzwungenen Verzicht auf sĂ€mtliche Milcherzeugnisse.

Die Deckung des tĂ€glichen Calciumbedarfs - und damit die Vermeidung eines Calciummangels - durch GemĂŒse ist zwar möglich, doch dafĂŒr sind nur wenige GemĂŒsesorten geeignet und die Abwechslung leidet.

Calcium als NahrungsergÀnzung

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Eine Alternative bieten verschiedene NahrungsergĂ€nzungsmittel. Ihr Calcium stammt nicht aus Milcherzeugnissen und ist somit lactosefrei. Wenn das Calcium aus Algen wie der Rotalge Lithothamnium gewonnen wird, ist die NahrungsergĂ€nzung auch fĂŒr Veganer geeignet.

Eine US-amerikanische Studie** hat einen weiteren Vorteil von Algen als Calciumquelle festgestellt. 125 Frauen, die Àlter als 40 Jahre waren, erhielten ein PrÀparat mit aus Algen gewonnenem Calcium und den Vitaminen D3 und K2.

WĂ€hrend normalerweise in dieser Altersgruppe ein jĂ€hrlicher RĂŒckgang der Knochendichte um 1% zu erwarten ist, hatte die Knochendichte der Probandinnen um 2 % zugenommen. Aus anderen Studien war bis dahin kein PrĂ€parat bekannt, dass zum Knochenwiederaufbau fĂŒhren kann.

 **Quelle: G.R. Kaats und andere (2011): A Comparative Effectiveness Study of Bone Density Changes in Women Over 40 Following Three Bone Health Plans Containing Variations of the Same Novel Plant - sourced Calcium. In: Int. J. Med. Sci., Vol.8, Seite 180-191.

Ein Vitamin fĂŒr die Knochen: Vitamin D

Eine wichtige Rolle fĂŒr die Versorgung Ihrer Knochen mit Calcium und die Vermeidung eines Calciummangels spielt auch Vitamin D. Nur bei ausreichender Vitamin-D-Versorgung kann der Mineralstoff optimal vom Körper aufgenommen und verwertet werden.

Vitamin D ist fĂŒr die Erzeugung des Vitamin-D-Hormons Calcitriol von Nöten. Das Calcitriol ist fĂŒr die Reifung der Osteoblasten und fĂŒr die Bildung von Knochenmatrixproteinen wie Osteocalcin, Osteopantin und Typ-I-Kollagen verantwortlich.

Die Vitamin D Versorgung

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist nicht immer leicht. Der Großteil dieses Vitamins wird vom Körper selbst gebildet – aber nur, wenn die Haut genug direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Das Sonnenlicht setzt einen Prozess in Gang, bei dem eine Vorstufe des Vitamins in Vitamin D umgewandelt wird.

Gerade im Winter ist es jedoch oft nicht möglich, seiner Haut genĂŒgend Sonnenkontakt zu gönnen. Auch die Versorgung ĂŒber die ErnĂ€hrung ist schwierig. Daher bietet sich eine NahrungsergĂ€nzung durch Vitamin D3 an.

Osteomalazie

Wenn die Einlagerung von Calcium und Phosphor in der Knochenmatrix nicht in ausreichendem Maße erfolgt, kann es zu einer Osteomalazie kommen. Hierbei handelt es sich um eine Erweichung der Knochensubstanz, die zu Schmerzen oder Verformungen fĂŒhren kann.

Zu den hĂ€ufigsten Ursachen der Osteomalazie zĂ€hlt ein Vitamin D3 Mangel. Dieser Mangel fĂŒhrt zu einer schlechteren Verwertung des aufgenommenen Calciums. Im Gegensatz zu einer Osteoporose reduziert sich bei Osteomalazie nicht die gesamte Knochensubstanz. Lediglich ihre Festigkeit nimmt ab.

Ein wichtiger Baustein: Silicium

Im menschlichen Körper befinden sich 1 bis 2 Gramm Silicium. Lange Zeit war der Wissenschaft aber nicht klar, welche Funktion das Silicium erfĂŒllt. Auch heute sind seine Aufgaben im menschlichen Körper noch nicht umfassend erforscht, doch es steht fest, dass Silicium ein wichtiges Strukturelement der Knochen ist.

Silicium: Aufgaben und Bedarf

Silicium spielt fĂŒr die körpereigene Collagen-Produktion eine wichtige Rolle und hat damit Anteil an Aufbau und Erhalt des Bindegewebes. Da die Knochenmatrix aus Bindegewebe besteht, leistet Silicium also einen Beitrag zum Erhalt gesunder Knochen.

Die Deckung des Silicium-Bedarfs ĂŒber die Nahrung ist heutzutage nicht mehr so leicht möglich. Durch den verstĂ€rkten Einsatz von KunstdĂŒnger hat der Siliciumgehalt vieler Ackerböden nachgelassen. Die industrielle Verarbeitung vieler Nahrungsmittel tut ihr Übriges, so dass viele Nahrungsmittel kaum noch Silicium enthalten.

KieselsÀure

Neben der ausreichenden Versorgung mit Calcium und Vitamin D ist auch die KieselsĂ€ure fĂŒr den Aufbau bzw. den Erhalt einer gesunden Knochenstruktur von Bedeutung. KieselsĂ€ure kann mit einem Rucksack verglichen werden, der das Calcium zielgerichtet in die Knochen bringt und dort einlagert.

Hinweise

NahrungsergĂ€nzungsmittel sind kein Ersatz fĂŒr eine abwechslungsreiche, ausgewogene ErnĂ€hrung und eine gesunde Lebensweise.

Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich dem allgemeinen Überblick - ohne Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit - und/oder der Unterhaltung. Die Inhalte dieser Seite ersetzen bei medizinischen Problemen oder Themen keinesfalls die professionelle Beratung durch einen Arzt. Suchen Sie bei medizinischen Problemen einen Arzt auf.

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