Zistrose

Schon im Olymp war ihre Kraft bekannt

Ein griechischer Mythos besagt, dass sich die Götter des Olymp trafen, um verschiedenen Pflanzen eine Heilaufgabe zuzuweisen. Um die Zistrose brach Streit aus, denn die Göttinnen wollten der Pflanze Aufgaben für die Schönheit übertragen, während die männlichen Götter in der Zistrose eine Pflanze zur Wundheilung sahen. Schließlich einigte man sich und sprach der Zistrose beide Eigenschaften zu. Allein aus dieser Legende wird klar, dass die Zistrose schon seit der Antike in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern für ihre zahlreichen Anwendungsgebiete bekannt war. Zistrosentee war in Griechenland fast ein Grundnahrungsmittel. Er wurde nicht nur bei Krankheit getrunken, sondern praktisch täglich. Inzwischen wird die Zistrose auch in Mitteleuropa gerne bei Erkältungen und zur allgemeinen Vorbeugung eingesetzt. Hierfür ist vor allem die graubehaarte Zistrose von Bedeutung.

Zistrose

Wortherkunft

Der deutsche Name der Zistrose lässt sich auf die lateinische Form cisthos zurückführen. Dieses Wort umschreibt die Zistrose als „Strauch mit rosenfarbiger Blüte, der Gummi liefert“. Bei der Aussprache liegt die Betonung auf der ersten Silbe. Die Endsilben –rose legen zwar nahe, dass es sich bei der Zistrose um eine Rosenart handelt, doch dies ist in Wirklichkeit nicht der Fall.

Botanik

Die Zistrose ist ein weit verzweigter Strauch mit immergrünen Laubblättern. Sie wird ungefähr einen Meter hoch und ihre Blüten haben normalerweise fünf Blätter. Die graubehaarte Zistrose (wissenschaftlicher Name: Cistus incanus) wurde nach den grauen Härchen an Stängeln und Blättern benannt. Graubehaarte Zistrosen sind im Mittelmeerraum heimisch. Sie können auch in Deutschland überleben, müssen dann aber im Winter frostsicher untergebracht werden.

Genutzte Pflanzenteile

Die Blätter, Blüten und junge Zweige werden während der Blütezeit der Zistrose im Sommer gesammelt und enthalten viele wertvolle Inhaltsstoffe. Darüber hinaus wird aus den Stängeln und Blättern der Pflanze ein Harz gewonnen, das sich zu Balsam verarbeiten lässt. Bevor das Harz maschinell geerntet wurde, trieb man Ziegen durch die Zistrosenbüsche. Das Harz blieb in ihrem Fell kleben und konnte anschließend ausgekämmt werden.

Potentiell wirksame Inhaltsstoffe

In den Blättern, Blüten und Zweigen der Zistrose sind viele Gerbstoffe enthalten. Sie unterstützen die Bekämpfung von Bakterien, Viren und Pilzen im Körper, indem sie im Körper die Andockstellen besetzen, durch die sonst Krankheitserreger in die Zellen eindringen könnten. Aus diesen Bestandteilen der Zistrose wird häufig ein Tee hergestellt, aber auch ein alkoholischer Auszug oder Lutschtabletten sind gängige Formen der Anwendung. Das Harz der Zistrose, das sogenannte Labdanum, ist in der heutigen Zeit unter anderem als Räucherharz geläufig. Gut zu wissen: Cistus incanus weist keine Nebenwirkungen auf und verursacht keine Resistenzen. Einzig Allergiker sollten vorher testen, ob sie darauf reagieren, indem sie die Teeblätter ziehen lassen und damit einen Umschlag am Unterarm machen. Erfolgt keine Reaktion, können sie sogar ganz besonders von der Kraft der Zistrose profitieren.

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