Der Meerrettich – Heilpflanze des Jahres 2021

Meerrettich

(Lesedauer ca. 6 Minuten)

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Der Meerrettich in Sage und Geschichte

Dass der Meerrettich in Sage beziehungsweise Aberglaube verwurzelt ist, dürfte wohl niemanden verwundern. Als schärfstes Mitglied der Familie der Kreuzblütengewächse bereitet er bei übermäßigem Verzehr unter Umständen sogar Schmerzen – müsste er da nicht auch diverse Teufel und Geister austreiben können?

Sagenhafte Abwehrkräfte

Tatsächlich wird der Meerrettich in vielen katholisch geprägten Gegenden am Ostersonntag geweiht. Dadurch soll er Hexen und Druden abwehren und vor „rasenden“ Hunden schützen. In mancher Küche wird der Meerrettich gerade rund um Ostern auch gern genutzt, um als schmerzhaft-scharfe Würze von Gerichten an das Leiden Christi zu erinnern.

Herkunft und (Volks-)Namen

Ursprünglich stammt der Meerrettich aus Südosteuropa. Erste Hinweise auf eine Kultivierung in Mitteleuropa gibt es im 12. Jahrhundert. Heute ist der Meerrettich weltweit verbreitet. Im deutschsprachigen Raum wird er auch als Bauernsenf, Rachenputzer, Pfefferwurzel oder, vor allem in Bayern und Österreich, als Kren bezeichnet. Der lateinische Name ist Armoracia rusticana.


Der Meerrettich als Heilpflanze

Schon im Mittelalter war der Meerrettich als Heilpflanze bekannt. Hildegard von Bingen empfahl ihn bei Beschwerden von Herz und Lunge, andere (Volks-)Heilkundige wandten Meerrettich auch bei Geschwüren oder Infektionen an.

Als Hausmittel bekannt …

Noch um 1910 war in der weit verbreiteten „Sammlung vorzüglicher Hausmittel gegen die meisten Krankheiten des Menschen nach Dr. Lüders“ über den „Meerrettig“ zu lesen:

„Der Saft der Blätter des gewöhnlichen Meerrettigs ist ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel. Dieser leistet nicht nur gegen Bienenstiche treffliche Dienste […] Damit befeuchtete Lappen auf Schnittwunden gelegt, verhüten jede Entzündung und beschleunigen die Heilung.“

Genaueres verriet Dr. Lüders allerdings nicht, von einer Meerrettich-Selbstbehandlung dieser Art ist daher dringend abzuraten.

… und bis heute bei Naturheilkundlern beliebt

In der Naturheilkunde werden dem Meerrettich aber auch heute noch vielfältige Wirkungen zugeschrieben. Er soll zum Beispiel die Bildung von Verdauungssäften im Magen-Darm-Trakt anregen, verdauungsfördernd wirken und Blähungen und Völlegefühl vorbeugen. Zudem werden dem Meerrettich gewisse antibiotische und antivirale Wirkungen nachgesagt, die zusammen mit den enthaltenen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen Erkältungsbeschwerden lindern sollen.

2021 hat der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus e.V. den Meerrettich zur Heilpflanze des Jahres erklärt.


Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

Die gängigste Anwendung des Meerrettichs ist sicher das Würzen von Speisen: Die geriebene Wurzel eignet sich für Fisch, Fleisch, Suppen, Soßen, Marinaden u.v.m. Bei besonders fettem Fleisch soll der Meerrettich für mehr Bekömmlichkeit sorgen. Hierfür kann fertig verarbeiteter Meerrettich in Gläsern oder Tuben erworben werden.

Auf die Frische kommt es an

Die dem Meerrettich zugeschriebenen naturheilkundlichen Wirkungen beziehen sich in der Regel auf frische Meerrettich-Zubereitungen. Das gilt sowohl für innerliche als auch für äußerliche Anwendungen. Der Grund dafür ist, dass sich die als wirksam angesehenen Inhaltsstoffe schon eine Viertelstunde nach der Verarbeitung – zum Beispiel wenn der Meerrettich gerieben wurde – verflüchtigt haben können.

Die Wirkung ist nicht garantiert …

Wie an vielen anderen Heilpflanzen und Hausmitteln scheiden sich auch am Meerrettich und seinen Anwendungen die Geister. Auch wenn von einzelnen Inhaltsstoffen gesundheitsfördernde Wirkungen bekannt sein sollten, so ist doch meist völlig unklar, in welchen Konzentrationen diese Stoffe in den jeweils zur Verfügung stehenden Pflanzen enthalten sind – und ob sie in diesen Konzentrationen dann auch wie gewünscht wirken.

Besonders reich an Vitamin C

Im Falle des Meerrettichs ist von den enthaltenen Senfölen, Flavonoiden und zum Beispiel auch vom reichlich darin vorkommenden Vitamin C bekannt, dass sie antioxidative Wirkungen haben können. An Mineralstoffen enthält Meerrettich zudem Kalium, Calcium und Phosphor in nennenswerten Mengen, an Spurenelementen sind Jod, Zink, Fluor, Mangan, Kupfer, Chrom und Selen enthalten.

Allerdings kann bei allen Pflanzen und Früchten der Vitalstoff-Gehalt je nach Anbauregion, Sorte, Klima oder Wetter variieren, Inhaltsstoffe können bei der Lagerung oder Zubereitung ganz oder teilweise verloren gehen. Als Laie kann man das kaum einschätzen, hier ist Fachwissen gefragt.

… doch Nebenwirkungen sind möglich

Vom Verzehr und von der der Anwendung von Pflanzen, die man nicht oder nicht ausreichend kennt, oder Zubereitungen daraus, ist grundsätzlich abzuraten. Selbst Pflanzen, die im Allgemeinen als genießbar und ungefährlich gelten, können unter Umständen schädlich wirken. Man sollte stets professionellen Rat von einer Fachperson, einem Arzt oder Apotheker einholen.

Der Meerrettich beispielsweise enthält Senföle, die Magen-Darm-Beschwerden auslösen und die Schleimhäute reizen können. Äußerlich angewendet kann Meerrettich die Haut reizen. Auch wer Probleme mit der Schilddrüse hat, sollte Meerrettich-Anwendungen oder -Zubereitungen meiden beziehungsweise vor Anwendung oder Einnahme einen Arzt befragen.


Inhaltsstoffe - was ist drin?

Bei der Angabe der Nährwerte von Lebensmitteln handelt es sich in der Regel um Mittelwerte je 100 Gramm des betrachteten Lebensmittels (essbarer Anteil). Je nach Sorte, Zubereitung, Lagerung etc. können die Werte variieren.

Vitamin A 4 µg
Vitamin B1 - Thiamin 0,14 mg
Vitamin B2 - Riboflavin 0,11 mg
Vitamin B3 - Niacin 0,6 mg
Vitamin B5 - Pantothensäure 0,2 mg
Vitamin B6 - Pyridoxin 0,2 mg
Vitamin B7 - Biotin 1,5 µg
Vitamin B9 - Folsäure 26 µg
Vitamin B12 0 µg
Vitamin C 114 mg
Vitamin E 0,1 mg
Vitamin D, Vitamin K k.A.
Natrium 9 mg
Kalium 628 mg
Calcium  105 mg
Magnesium  33 mg
Eisen 1,4 mg

Phosphor

93 mg

Zink

1,4 mg

Fluor

0,04 mg

Jod 1 µg
Chrom 3 µg
Selen 0,2 µg
Kupfer 0,2 mg
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© Bilder: Shutterstock

Quellen:

Phytomedizin – traditionelles Wissen modern genutzt, Klinikum Universität Heidelberg, aufgerufen im Internet am 26.01.2021.

Chrubasik-Hausmann, Sigrun, Prof. Dr.: Kapuzinerkresse plus Meerrettichwurzel, aufgerufen im Internet am 26.01.2021.

Ritter, Claudia: Heimische Nahrungspflanzen als Heilmittel, Nikol Verlag, Hamburg, 2019.

Malm, Liesel/Möbus, Margret: Antibiotische Heilpflanzen, Bassermann Verlag, München, 2018.

Elmadfa, Ibrahim u.a.: Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2019.

Hofmann, Maria/Lydtin, Helmut: Bayerisches Kochbuch, Birken-Verlag GmbH, München, 2007.